Praxis · Stand Oktober 2026 · Lesezeit 6 Minuten

Quittung ohne MwSt: die drei Fälle und die richtige Formulierung

Auf eine Quittung ohne Mehrwertsteuer gehört nicht „0 % MwSt“, sondern der Grund: bei Kleinunternehmern der Hinweis auf § 19 UStG, beim reinen Privatverkauf gar kein Steuerhinweis, bei steuerfreien Leistungen der Verweis auf § 4 UStG. Stand Oktober 2026.

Quittung ohne Mehrwertsteuer mit Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung

Warum die Formulierung wichtiger ist als das Layout

Die meisten Vorlagen im Netz haben ein Feld für den Steuersatz. Wer dort eine Null einträgt, macht aus einer fehlenden Steuer eine ausgewiesene Steuer von null Prozent — und das ist keine Begründung, sondern eine Angabe. Für Empfänger, Buchhaltung und Finanzamt bleibt offen, warum keine Umsatzsteuer anfällt.

Umgekehrt gilt der schärfere Fall: Wer Umsatzsteuer ausweist, ohne dazu berechtigt zu sein, schuldet den ausgewiesenen Betrag nach § 14c UStG dem Finanzamt — auch dann, wenn der Beleg nur ein handschriftlicher Zettel war. Ein versehentliches „19 %“ in einer Vorlage kann also echtes Geld kosten. Es ist deshalb sicherer, das Steuerfeld bewusst zu leeren und stattdessen einen Satz zu schreiben.

Die drei Fälle im Vergleich

Es gibt drei Gründe, warum eine Quittung ohne Mehrwertsteuer auskommt. Sie sehen ähnlich aus, verlangen aber unterschiedliche Sätze auf dem Beleg:

FallWerFormulierung auf der Quittung
KleinunternehmerSelbstständige unterhalb der Umsatzgrenzen des § 19 UStG„Kein Ausweis von Umsatzsteuer, Kleinunternehmer gemäß § 19 UStG“
PrivatverkaufPrivatpersonen ohne unternehmerische Tätigkeitkein Steuerhinweis, nur Betrag und Kaufgegenstand
Steuerfreie LeistungBerufe mit Befreiung, etwa Heilbehandlung oder bestimmter Unterricht„Umsatzsteuerfrei nach § 4 UStG“ mit passender Nummer
Direkt ausfüllen: Quittung im Generator erstellen — das Steuerfeld lässt sich leer lassen, der Hinweis kommt in die Bemerkung.

Mustersätze zum Kopieren

SituationSatz auf der Quittung
KleinunternehmerKein Ausweis von Umsatzsteuer, Kleinunternehmer gemäß § 19 UStG.
Privatverkauf(kein Steuersatz) – optional: Verkauf von privat, keine Gewährleistung.
Steuerfreie LeistungUmsatzsteuerfrei nach § 4 Nr. … UStG (Nummer je Beruf klären).

Quellen: § 19 UStG, § 14c UStG, § 4 UStG (gesetze-im-internet.de, abgerufen Oktober 2026). Wer den Beleg zuerst leer ausdrucken will, nutzt den Quittungsvordruck zum Drucken; für Zahlungen ohne Kaufgegenstand passt die Zahlungsbestätigung.

Ab wann gilt „Kleinunternehmer“? Die Grenzen seit 2025

Seit dem 1. Januar 2025 gilt die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG, wenn der Umsatz im Vorjahr höchstens 25.000 Euro betrug und im laufenden Jahr höchstens 100.000 Euro beträgt. Wird die Grenze von 100.000 Euro im laufenden Jahr überschritten, fällt ab dem überschreitenden Umsatz Umsatzsteuer an — der Hinweis auf § 19 UStG darf dann auf neuen Belegen nicht mehr stehen.

PrüfpunktGrenzeFolge für den Beleg
Umsatz Vorjahrbis 25.000 Euro§ 19-Hinweis zulässig
Umsatz laufendes Jahrbis 100.000 Euro§ 19-Hinweis zulässig
laufendes Jahr über 100.000 Euroab dem überschreitenden UmsatzUmsatzsteuer ausweisen, kein § 19-Hinweis

Quelle: § 19 UStG (gesetze-im-internet.de, Fassung ab 01.01.2025, abgerufen Oktober 2026). Ob die Regelung für den eigenen Betrieb greift, klärt im Zweifel das Finanzamt oder eine Steuerberatung.

Checkliste vor dem Ausdrucken

  • Steht im Steuerfeld ein Satz statt einer Zahl?
  • Passt der Satz zum Fall (§ 19, kein Hinweis bei Privatverkauf, § 4 mit Nummer)?
  • Ist das Datum der Tag der Zahlung?
  • Sind Betrag in Ziffern und in Worten, Leistung und Unterschrift vorhanden?
  • Bleibt der Hinweis auch auf der Kopie lesbar, nicht nur in der Fußzeile?

Fall 1: Kleinunternehmer nach § 19 UStG

Wer die Kleinunternehmerregelung nutzt, erhebt keine Umsatzsteuer und darf sie auf keinem Beleg ausweisen. Der Hinweis darauf gehört sichtbar auf die Quittung, weil der Empfänger sonst nicht erkennen kann, ob die Steuer vergessen wurde oder gar nicht anfällt. Bewährt sind kurze Sätze wie „Kein Ausweis von Umsatzsteuer, Kleinunternehmer gemäß § 19 UStG“ oder „Der Betrag enthält keine Umsatzsteuer, § 19 UStG“.

Was dagegen nicht auf den Beleg gehört: ein Steuersatz, ein getrennter Steuerbetrag oder die Formulierung „inkl. MwSt“. Auch das gern kopierte „netto“ ist irreführend, weil es einen Nettobetrag neben einem Steuerbetrag suggeriert. Eine ausführliche Feldliste steht auf der Seite Quittung Kleinunternehmer Vorlage.

Fall 2: Privatverkauf zwischen Privatpersonen

Wer das alte Fahrrad, ein Sofa oder ein Handy privat verkauft, ist kein Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuerrechts. Auf dem Beleg steht deshalb überhaupt kein Steuerhinweis — weder ein Paragraf noch ein Prozentwert. Nötig sind Name und Anschrift beider Seiten, Datum, Kaufgegenstand mit erkennbarer Beschreibung, Betrag und Unterschrift.

Der oft ergänzte Zusatz „Verkauf von privat, keine Gewährleistung“ ist kein Steuerhinweis, sondern ein Punkt aus dem Kaufrecht. Er kann sinnvoll sein, ersetzt aber keine Angabe zur Steuer und wird auch nicht dadurch nötig, dass keine Steuer anfällt. Die passende Vorlage samt Feldern liegt unter Quittung Privatverkauf Vorlage.

Fall 3: Steuerfreie Leistungen nach § 4 UStG

Manche Leistungen sind unabhängig vom Umsatz steuerfrei, etwa Heilbehandlungen oder bestimmte Unterrichtsleistungen. Hier ist der Aussteller sehr wohl Unternehmer, die konkrete Leistung aber befreit. Auf den Beleg gehört dann der Grund mit der jeweiligen Nummer, zum Beispiel „Umsatzsteuerfrei nach § 4 Nr. 21 UStG“. Welche Nummer passt, hängt vom Beruf ab und sollte einmal steuerlich geklärt und danach als feste Textbausteinformulierung verwendet werden.

Beispiel: Quittung über 120 Euro vom Kleinunternehmer

Eine Grafikerin ohne Umsatzsteuerausweis erhält 120 Euro bar für ein Logo. Der Beleg sieht so aus:

  • Aussteller: Name und vollständige Anschrift der Grafikerin
  • Datum: der Tag der Zahlung, nicht der Tag der Leistung
  • Leistung: „Gestaltung eines Logos, Pauschale“
  • Betrag: 120,00 Euro in Ziffern und in Worten
  • Steuerhinweis: „Kein Ausweis von Umsatzsteuer, Kleinunternehmer gemäß § 19 UStG“
  • Unterschrift der Ausstellerin

Weil der Betrag unter 250 Euro liegt, erfüllt dieser Beleg zugleich die Anforderungen an eine Kleinbetragsrechnung — Empfängeranschrift und Rechnungsnummer sind dann verzichtbar. Die Details dazu stehen im Beitrag 250-Euro-Grenze bei der Kleinbetragsrechnung. Wer regelmäßig abrechnet und statt einzelner Belege eine echte Rechnung ohne Steuerausweis braucht, findet die Vorlage dafür bei Rechnung ohne Mehrwertsteuer.

Häufige Fehler

  • Steuerfeld auf 0 setzen statt den Grund zu nennen — die Angabe erklärt nichts.
  • „inkl. MwSt“ aus einer alten Vorlage stehen lassen, obwohl keine Steuer anfällt.
  • Beim Privatverkauf einen Paragrafen erfinden, um seriöser zu wirken.
  • Den § 19-Hinweis nur in die Fußzeile setzen, wo er beim Kopieren verloren geht.
  • Steuersatz und Steuerbefreiung gleichzeitig angeben — beides zusammen widerspricht sich.

FAQ

Darf ich auf der Quittung 0 % MwSt schreiben?

Besser nicht. Ein Steuersatz von 0 Prozent ist eine Steuerangabe und keine Begründung. Sauberer ist ein kurzer Satz, warum keine Umsatzsteuer anfällt — etwa der Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG.

Welcher Hinweis gehört auf die Quittung eines Kleinunternehmers?

Ein kurzer Satz reicht, zum Beispiel: Kein Ausweis von Umsatzsteuer, da Kleinunternehmer nach § 19 UStG. Ein Steuersatz oder ein getrennter Steuerbetrag gehört nicht auf den Beleg.

Braucht eine Quittung beim Privatverkauf einen Steuerhinweis?

Nein. Wer als Privatperson etwas Gebrauchtes verkauft, ist kein Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuerrechts. Auf dem Beleg steht daher gar kein Steuerhinweis — der Zusatz von privat, keine Gewährleistung betrifft das Kaufrecht, nicht die Steuer.

Was passiert, wenn ich versehentlich Umsatzsteuer ausweise?

Wer Umsatzsteuer ausweist, ohne sie ausweisen zu dürfen, schuldet den ausgewiesenen Betrag nach § 14c UStG dem Finanzamt. Deshalb ist die Formulierung wichtiger als das Layout des Belegs.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein allgemeines Hilfsmittel und keine Rechts- oder Steuerberatung. Die genannten Regeln zu § 19, § 14c und § 4 UStG gelten zum Stand Oktober 2026. Prüfe deinen Fall eigenständig oder lass ihn fachlich bestätigen. Eine weitere Übersicht steht unter Quittung ohne Mehrwertsteuer.